18.09.2018 - Blitzeinschlag in Haus, Ittenthal AG (CH)

Alle durch die Unwetterbeobachtung CH/EU (UwBe International) behandelten, dokumentierten und abgeschlossenen Fälle können hier jederzeit nachgelesen werden. Sollten dazu noch wichtige Angaben und Details zu einem Fall fehlen, so ist der Kontakt per E-Mail aufzunehmen.
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Dominic Kurz
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Sachverhalt / Ausgangslage
Am 18. September, kurz gegen 20:40 Uhr schlug ein Blitz in das Haus einer Familie aus Ittenthal AG (Schweiz) ein.
Die Familie wurde davon überrascht. Die Frau und Tochter mussten ins Spital eingeliefert werden, der Mann hatte Glück im Unglück.

Folgende Schäden sind bei Eingang der Meldung an uns bekannt gegeben worden:
  • Das Dach wurde grösstenteils beschädigt, Ziegel flogen durch die Gegend
  • Die Decke kam im Kinderzimmer (oberstes Stockwerk) herunter
  • Fenster waren zerborsten und einzelne Stücke sind aus der Wand gebrochen
  • Im Erdgeschoss flog der Sicherungskasten aus der Wand
  • Lampen und Steckdosen fingen kurzzeitig Feuer und waren verbrannt
  • Elektrische Geräte erlitten zum Teil Totalschaden
  • Das Haus weist einige Risse auf, die zuvor nicht da waren
  • Das komplette Haus hat sich um paar Zentrimeter verschoben
  • Eine Person wurde verletzt und ist mit ihrem Kind ins Spital eingeliefert worden
Aklärungen / Dokumentationen
Den verantwortlichen Blitz hat ein Mitglied unseres Teams live während eines Chasings mitbekommen. Am Tag danach haben wir uns zur Örtlichkeit begeben um die Schäden zu begutachten. Es war sehr beeindruckend, was so ein Blitzeinschlag alles anrichten kann. Die Familie hatte grosses Glück dass nicht mehr passiert ist. Überall um das Haus lagen Ziegelsteine am Boden, man sah auch deutlich die Risse in den Wänden. Es roch auch noch immer deutlich nach verbrannten Kabeln.

Schadensbestandsaufnahme
Die Begehung durch das Haus fangen wir im oberen Stockwerk an.Die Holzlatten der Decken lagen am Boden und einzelne Betonstücke der Wand liegen verstreut herum. Man sieht deutlich, was für eine gewaltige Kraft hier gewirkt haben muss. Ein Blick in das Zimmer, in welchem Mutter und Kind sich befanden zeigt, es hätte durchaus noch schlimmer ausgehen können. Auf dem Dachstock sind gut die Brandspuren zu sehen, wo der Blitz eingeschlagen und sich durchgefressen hat.
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Im Erdgeeschoss liegt der Sicherungskasten im Flur, jegliche Steckdosen und Anschlüsse sind komplett schwarz und durchgebrannt. Die elektrischen Geräte funktionieren zum Teil gar nicht mehr.
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Um das Haus herum sind die Verschiebungen und Risse deutlich erkennbar.
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Der Blitz hatte eine Stärke von 140kA und somit eine enorme Spannung. Bei solch einem Blitzeinschlag ist es nicht verwunderlich, wenn es zum Brand kommt. Doch warum hatte es in diesem Haus nicht gebrannt? Dies können wir wie folgt erklären: Durch die gewaltige Stärke des Blitzes gab es im Haus eine riesige Druckwelle. Diese war so stark, dass das ausbreitende Feuer durch die Druckwelle schlagartig erstickt wurde. So fehlte dem Feuer auch der nötige Sauerstoff. Dafür sorgte die Druckwelle für enorme Schäden am und im ganzen Haus.

Verschiebung des Hauses
Der Untergrund des Hauses war durch geologische Gegebenheiten bereits vorbelastet. Dadurch ist das Haus ganz langsam und stetig am rutschen/senken (wenige Mikromilimeter pro Jahr) und es bauten sich dadurch Spannungen auf, welche sich schon vor dem Blitzeinschlag durch Risse bemerkbar machten. Der Blitzeinschlag führte dann dazu, dass sich die vorhandenen Spannungen teilweise schlagartig abbauten und so zu den neuen Rissen und Verschiebungen führten. Doch warum war dies möglich? Das Haus wurde damals in einem gefährdeten Gebiet gebaut, wo es zu einem grossen Oberflächenabfluss des Wassers kommt. Aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen darf diese Karte hier nicht gezeigt werden.

Warum schlug der Blitz in den Dachgiebel und nicht in den Blitzableiter ein?
Die um das Haus verlaufenden Oberflächenabflüsse haben durch leicht erhöhte Feuchtigkeit im Boden ein negativ geladenes elektromagnetisches Feld aufgebaut. Dieses Feld umgab das Haus und das höchste Spannungsfeld befand sich vermutlich mittig beim Giebel. Von dort aus bildete sich der negative Vorblitzkanal, welcher aufstieg und den absenkenden positiven Vorblitzkanal traf. Darauf entstand dann der Hauptblitzkanal, welcher mit voller Wucht in den nicht leitenden Dachgiebel einschlug.

Abschluss des Falls
Was passieren kann wenn kein Blitzableiter installiert wurde sieht man hier in diesem Video. Abschliessend ist zu sagen, dass die Familie grosses Glück gehabt hat! Der Frau sowie ihrer Tochter geht es den Umständen entsprechend gut, alle haben sich vom Ereignis inzwischen gut erholt. Alle gezeigten Personen stimmten ausdrücklich für eine Veröffentlichung des Interviews zu und sind damit einverstanden.

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